AKA_SWING
Ausgehend von den Entwürfen des Seminars „AKA-Stuhl" widmete sich Anna Schönpflug der Aufgabe, gestalterisches Denken mit praxisorientierter Materialforschung zu verbinden. Die Entwicklung einer langlebigen, ästhetisch ansprechenden und funktionalen Sitzfläche für den im SS23 entwickelten AKA_swing stand im Zentrum des Forschungsmoduls. Ausgangspunkt waren konkrete Problemstellungen aus der Testphase des Prototyps: Verschleiß, Spannkraftverlust und mangelnde Reparaturfähigkeit machten eine grundlegende Neuuntersuchung der Bespannungstechnik notwendig.
ANALYSE
Zu Beginn stand eine umfassende Analyse klassischer und zeitgenössischer Stühle mit gewebten Sitzflächen. Materialien, Webarten und Befestigungssysteme wurden verglichen, um bewährte Prinzipien auf den AKA-Swing zu übertragen.
TEST
In Versuchsreihen wurden unterschiedliche Seilarten, Flechttechniken und Knotensysteme systematisch untersucht und mithilfe einer eigens entwickelten Bewertungsmatrix beurteilt. Neben Naturfasern wie Hanf und Papierkordel kamen auch synthetische Alternativen wie Polypropylen und Spanngurte zum Einsatz. Knotentechniken aus der Schifffahrt ergänzten die Untersuchungen, um Spannung und Halt langfristig zu sichern.
PROTOTYPEN
Die besten Ergebnisse der Testphase wurden direkt am AKA_Swing-Gestell im Maßstab 1:1 erprobt. Schrittweise entstanden so mehrere Prototypen, die auf Stabilität, Komfort und Ästhetik geprüft wurden. Besonders überzeugend war die Kombination aus Polypropylenseil und Leinwandbindung, die eine sehr formstabile und komfortable Sitzfläche erzeugte. Auch Spanngurte und Wäscheleinen erwiesen sich als praktische Lösungen für die Bespannung.
ERGEBNIS
Die finalen Prototypen zeigen, wie durch praxisbasierte Forschung im Entwurfsprozess funktionale und zugleich gestalterisch hochwertige Lösungen entstehen können. Die entwickelten Anleitungen zur Bespannung ermöglichen die Produktion des Stuhls mit Laien. Im gesamten Prozess und im Ergebnis sichtbar greifen handwerkliche Experimente, Materialforschung und Designprozesse ineinander. Durch die individuelle Farb- und Musterwahl wird jeder Stuhl zum Unikat.
AUSZEICHNUNG
Für diese Arbeit im Bereich der studentisch-architektonischen Forschung wurde Anna Schönpflug 2025 mit einer Anerkennung beim Heinz-Stillger-Preis ausgezeichnet. Der Preis wird seit 2017 von der Heinz-Stillger-Stiftung (Wiesbaden) an Studierende des Fachbereichs Architektur der TU Darmstadt verliehen und würdigt herausragende Arbeiten, die den Stellenwert der Forschung in der Lehre stärken. „AKA_Swing" steht exemplarisch für ein forschungsorientiertes Projekt, das handwerkliche Erprobung, gestalterisches Denken und architektonische Materialforschung auf bemerkenswerte Weise verbindet.