AKA_RAUMDen Auftakt bildete ein Workshop mit der Textilkünstlerin
Karen Modrei, in dem textile Verarbeitungstechniken erprobt und der Bestand der Halle analysiert wurden. Daraufhin entwickelten die Studierenden Konzepte für einen neuen Steg, der Fluchtweg, Barrierefreiheit und Aufenthaltsqualität vereint. Zwei Varianten – mit Stützen oder frei auskragend – wurden statisch mit Unterstützung von Simon Jaschke (
Brückner Dietz) geprüft. Parallel entstand das Konzept für textile Trennwände im Riegelbau. Unterschiedliche Stoffe wurden hinsichtlich Haptik, Gestaltung und Konstruktion untersucht. Der verwendete Segelstoff mit transparenten Ausschnitten schafft sowohl Abgrenzung als auch Blickbeziehungen. Das entwickelte Muster ist ein prägendes Gestaltungselement. Die Textilien ermöglichen flexible Raumkonfigurationen, vom großen Gruppenraum bis zur kleineren Einheit.
ANALYSEBei einer Hallenbegehung und der daran anschließenden Einstiegsaufgabe wurden einzelne Bauteile in der Halle analysiert und auf ihre Funktion und Verbindungen überprüft. Diese Ergebnisse wurden in Bildern und technischen Zeichnungen festgehalten. Im Anschluss an die Vorübung wurden verschiedene textile Objekte entworfen, welche die Umgebung funktional ergänzen und/oder neu interpretieren. So entstanden in Gruppenarbeiten vier Accessoires mit den Titeln: der Lampenschirm, der Handschuh, die Picknicktasche und die Hammock Tasche.
ENTWICKLUNG VON TEXTIL UND STEGIm weiteren Verlauf entwarfen die Studierenden die raumbildenden Bauteile der Achsen M-K; es bildeten sich Fokusgruppen zu Steg und den textilen Raumtrennungen sowie zur eigentlichen Umsetzung. Neben der Machbarkeit der Entwürfe in Bezug auf Konstruktion, Nachhaltigkeit und Nutzung spielten auch Materialbeschaffung und Produktionsablauf eine wichtige Rolle. Die Konzepte wurden weiter ausgearbeitet und in den Bauwochen als 1:1-Mockups realisiert.
TEXTILDer Vorhang trennt den Hallenraum vom Riegel und ersetzt die frühere feste Fassade aus Stahl, Mauerwerk und Glas. Statt einer starren Barriere bietet er nun eine weiche und flexible Trennung. Je nach Bedarf lässt sich der Bewegungsfluss zwischen Halle und Riegel steuern. Zugezogen zeigt der Vorhang ein grafisches Gesamtbild mit transparenten Geometrien aus transparenter Kunststofffolie, die Einblicke erlauben. Der Segelstoff sorgt zugleich für Sichtschutz und Schallreduktion. Farbgebung und Materialwahl übertragen die visuelle Identität des AKA_Projekts in den Raum. Im Seminar wurden verschiedene Materialien erprobt – von LKW-Plane bis zum leichteren Segelstoff, dessen Kontrast zur Folie interessante Lichtsituationen erzeugt. Das entwickelte Muster basiert auf der Fassadengliederung und einem Spiel mit Proportionen. Es überspannt beide Geschosse und verändert sich je nach Spannung und Faltung des Stoffes, wodurch dynamische Verzerrungen entstehen. Die Vorhänge im Riegel laufen orthogonal zum Hallenraum und ermöglichen die Unterteilung in 2,5 Meter breite Arbeitsbereiche entlang der Haupt- und Nebenachsen. Sie ermöglichen eine flexible Anpassung der Raumaufteilung je nach Bedarf, mit alternierendem, dickerem und leichteren Stoff. Sie bieten eine einfache Möglichkeit, Privatsphäre zu schaffen oder den Austausch zwischen den Bereichen zu fördern. Nach Experimenten mit farbgebenden Lebensmitteln fiel die Wahl für die Raumprobe auf mit Kaffee gefärbtes Textil, das sich der Patina der Hallenwände annähert. Durch Tests und Vergleiche verschiedener Färbetechniken und Webarten konnten gezielt Stoffe ausgewählt werden, die sich für den Einsatz im Raum eignen.
STEGAufgrund des baulichen Zustands sowie der geometrischen und genehmigungsrechtlichen Einschränkungen des Bestandsstegs wurde von einer Instandsetzung abgesehen. Stattdessen wurde nach einer Konstruktionsweise gesucht, die möglichst behutsam an die vorhandene Tragstruktur anschließt. Da auch der bestehende Bodenbelag nicht weiterverwendet werden konnte, blieb lediglich das keilförmige Stahlauflager als Anknüpfungspunkt erhalten. Mithilfe statischer Belastungssimulationen wurden verschiedene kraftschlüssige Anschlussvarianten untersucht. Daraus wurden zwei Lösungsansätze entwickelt, die im Rahmen der Bauwoche als 1:1-Prototypen umgesetzt wurden. Um Ressourcen zu schonen, wurden Teile der Prototypen aus Holz gefertigt, während die wesentlichen Knotenpunkte exemplarisch in Stahl ausgeführt wurden.
Variante 1Die erste Variante orientiert sich am Bestand und verfolgt das Ziel, dessen Charakter zu bewahren: eine offene Halle, in der der Steg als leichtes Erschließungselement im Raum zu schweben scheint. Sie verzichtet bewusst auf zusätzliche Nutzungen entlang des Stegs und beschränkt sich auf die geforderte Breite von 1,20 Metern. Im Mittelpunkt steht die reine Erschließungsfunktion, die bereits den Ursprungszustand prägte. Konstruktiv wird die Variante auf das bestehende Stahlauflager aufgelegt und mit diesem verschraubt. Dadurch werden die Lasten in stärkerem Maße über das verbleibende Stahlauflager abgetragen, das als zentraler Anknüpfungspunkt der Konstruktion dient.
Variante 2Die zweite Variante macht den Steg zu einem raumprägenden Element. Eine zusätzliche Stützenreihe im Hallenraum bildet einen eigenständigen Schwellenraum zwischen Halle und Riegel. Über ergänzende Unterzüge wird an die Bestandsträger angeschlossen und die Lasten auf die neuen Stützen abgetragen. Im Gegensatz zur ersten Variante ermöglicht diese Lösung zusätzliche Nutzungen auf dem Steg. Vorgesehen sind am Geländer befestigte Steh-Arbeitstische; die lichte Stegbreite beträgt hierfür 1,50 Meter.
BAUENDie zwei Bauwochen wurden die entworfenen und detailliert geplanten Mockups für die Achsen M-K gefertigt und montiert. Die praktische Umsetzung ermöglichte es, konstruktive Details zu überprüfen, Materialverbindungen zu testen und die räumlichen Qualitäten der entstehenden Struktur direkt zu erfahren. Die Endergebnisse des Seminars wurden zum Abschluss 1:1 in der Halle montiert. Der Steg wurde aufgeständert auf dem Hallenboden für die Besuchenden begehbar gemacht. Die Platzierung des Steg-Mockups vor dem Vorhang simulierte den Raumeindruck der eigentlichen Situation zwischen Steg und Riegel im Obergeschoss. Im Riegel im Obergeschoss wurden die raumtrennenden Vorhänge an Haupt- und Nebenachsen detailgetreu und reversibel an den Bestand angebracht.